Beziehungsana… was?

Eieiei, eine ziemlich wilde Kiste, was es mittlerweile an Alternativen zu monogamen Zweierbeziehungen gibt. Hier ein kurzer Überblick für dich, wie ich die unterschiedlichen Begriffe auffasse, denen man in aller Regel so begegnet…

Polyamorie

Poly bedeutet „viel“, Amorie steht für „Liebe“, unter dem Strich also Viel-Liebe. Gemeint ist das in dieser Bedeutung in Hinblick auf Liebesbeziehungen. Niemand streitet ab, dass man Kinder, Freunde, etc. auch im Plural lieben kann. In der Polyamorie geht es darum, Liebe im romantischen Sinne zu verstehen und somit Partnerschaften mit mehreren Menschen zu führen. Hierbei gibt es die wildesten Kombinationen (echt, manches ist wirklich abgefahren!), sodass sich hinter dem Begriff der Polyamorie die unterschiedlichsten Liebes- und Lebenskonzepte verbergen können.

Recht gängig ist zum Beispiel die Vorstellung einer sogenannten Triade. Hierbei sind statt zwei Partnern einfach drei Menschen in einer Partnerschaft miteinander. Im Vergleich zu einer gängigen Beziehung kommt also einfach numerisch jemand dazu. Ein anderes, recht häufiges Beispiel ist das von sogenannten Primär- und Sekundärpartnern. Hier unterscheidet jemand in der „Bedeutung“ zwischen einer „Hauptbeziehung“ und einer oder mehreren „Nebenbeziehungen“. Der Unterschied zur Affäre im klassischen Sinne ist hierbei der, dass alle Beteiligten voneinander (und den gemeinsamen Aktivitäten) wissen. Und dann gibt es noch *** andere Möglichkeiten, den Poly-Begriff mit Leben zu füllen.

Beziehungsanarchie

Interessanter ist für mich momentan der Begriff der Beziehungsanarchie. Die Idee dahinter ist es, das Hierarchiegefüge von zwischenmenschlichen Beziehungen zu hinterfragen. Somit wird nicht zwingend der Partner oder die Partnerin als allgegenwärtig am wichtigsten aufgefasst. Viel mehr werden alle Beziehungen, die jemand führt, als einzigartige Begegnungen aufgefasst. Ganz egal, ob dabei zwei oder mehr Menschen beteiligt sind. Durch diese Einzigartigkeit haben alle diese Verbindungen ihren ganz eigenen und unvergleichbaren Wert.

Was ich daran mag, ist die Idee, nicht so sehr in das spezifische Erwartungskonzept zu rutschen. Dieses Erwartungskonzept steckt für mich in der herkömmlichen „Rangfolge“ und Betrachtung von Partnerschaft. Die Beziehungsanarchie davon aus, dass man Menschen nicht vergleichen oder ranken kann. Und damit auch nicht die entstehenden Beziehungen. Das braucht eine ganze Menge Mut, sich anzuschauen, was man selber eigentlich möchte. Manchmal ist es auch gar nicht so ganz einfach, das herauszufinden. Aber im besten Falle ist man ja nicht alleine – sondern (mindestens) noch mit einem weiteren Menschen in Kontakt, der eigene Vorstellungen einbringt.

Rosinen

Ich finde, wer sein Leben gut und zufriedenstellend gestalten möchte, der hat eine Sondererlaubnis: Rosinenpicken ist angesagt! Dabei geht es mir allerdings nicht darum, mir nur das (vermeintlich) Beste aus allem herauszuklauben und mich vor Spannungsfeldern zu drücken. Viel mehr ist der Gedanke dahinter, dass es mir frei steht, aus allen bestehenden Konzepten die Aspekte auszuwählen, die am besten zu mir passen und dann etwas ganz Eigenes daraus zu machen.

Bei mir verhält es sich so, dass ich mich der Beziehungsanarchie grundsätzlich näher fühle als der Polyamorie. Das aber gar nicht so sehr, weil ich den Gedanken der Poly-Szene nicht auch jede Menge abgewinnen könnte. Sondern vor allem, weil sich in dieser Szene wiederum eigene Regeln (oder zumindest: Annahmen) dazu etabliert, wie „richtige“ Beziehungen gehen. Ich bin zumindest skeptisch.

Die Beziehungsanarchie hingegen ist und bleibt manchmal einfach ein bisschen theoretisch. Schließlich möchte ich ja auch Menschen in meinem Leben wissen, die mit mir gemeinsam planen wollen. Die Lust haben, heute schon „Ja“ zu sagen zu einer gemeinsamen Idee von Zukunft. Darauf möchte ich – bei aller Lust auf Spontanität und Offenheit- um nichts auf der Welt verzichten (:

Ich habe also kein richtiges Wort für das, was ich lebe. Aber es ist schön und aufregend und behaglich und frei. Und das ist für mich das Entscheidende. Wie nennst du deine Art, Beziehungen zu leben? Hast du schon ein gutes Wort gefunden, um anderen Menschen zu beschreiben, wie du l(i)ebst? Dann gerne her damit!

 

 

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