Hej Du.

Du spukst in meinem Kopf herum. Jede Fahrt durch deine Heimatstadt führt meinen Sinn zu dir. Jedes Vibrieren vom Handy lässt mich an dich denken.

Und es sind keine kurzen Ausflüge meiner Gedanken; nichts mit hübsch & artig zurück zum Thema. Nein.
Sie stieben auseinander, meine sonst so konzentrierten Gedankenstränge, benehmen sich wie junge Hunde. Wie der sprichwörtliche Sack Flöhe, die zu hüten mir im Großen & Ganzen gut, im Kleinen & Feinen & Dubezogenen leider mehr schlecht als recht gelingt.

Weißt du eigentlich, wie viel ich nicht nur an dich, sondern auch in dich hinein denke?

So viel bist du in meinen Gedankenspiel. Muse und Freundin, Ergänzung und Geliebte. Wunderschön bist du. Wunderschön und klug und witzig. Selbstbewusst. Souverän. Du weißt, was du willst.

 

Mit all diesen Ideen von dir kommen meine Gedanken zu mir zurück. Umspringen mich aufgeregt mit ihren Erkenntnissen und Beobachtungen, rufen alle durcheinander. Versuchen, mich zu erklimmen.

„Sie ist so schön!“, schwärmt der eine.

„Ja, aber spürst du nicht, wie klug sie ist?!“, fragt der nächste.

„Und so tief und sensibel und empfindsam und schön!“, wirft der dritte ein (vielleicht ein bisschen abgelenkt vom ersten).

Sie schwärmen aus zu dir und kehren zurück, meine Gedanken. Sie verweilen- und sie preisen dich. Sind mal berührt, mal begeistert; mal elektrisiert, mal tief beeindruckt.

 

Und sie sind ein bisschen wie die Blinden, die einen Elefanten beschreiben sollen: sie machen sich Bilder.
Während sie mir die diese Bilder für bare Münze verkaufen, frage ich mich, welchen Preis ich zahle für diesen Eifer meiner begeisterten Gedanken.

Sehe ich dich? Wirklich, meine ich?

 

Eins ist mal sicher: Du bist all diese Dinge.

(Mit Verlaub, ich habe ja nicht nur Gedanken, sondern auch Augen im Kopf!).

Ich sehe, wie schön; ich höre, wie witzig; ich spüre, wie tief & empfindsam du bist.

 

Nur… wenn ich all diese Eindrücke sammele, die meine Gedanken an dich fleißig und zahlreich zusammen tragen- wenn ich diese Bilder kombiniere….. kommt da wirklich dein Abbild heraus? Du?

 

Ich zweifele daran. Sicherlich, jeder Mensch setzt sich aus einzelnen Aspekten zusammen. Und all diese Facetten ergeben diesen Menschen. Aber es fehlt so viel!

Klug und witzig und wunderschön. So sehr!

Doch die Details, die Eigenheiten, das Besondere- wie selten lässt sich das in Worte fassen und beschreiben. Dabei sind genau diese Dinge der Kleber, der die Einzelbilder meiner Gedanken an dich zu dir zusammensetzt. Verbergen sich darin doch die Gründe, dich zu lieben.

Dein Sein und deinen Eigensinn; dich als Ganzes.

Ich komme zu dem Schluss: ich kenne dich nicht. Nicht wirklich, nicht genug, nicht so sehr & so tief, wie ich gerne würde.

Weißt du, ich frage mich, wie viel von dieser intensiven Neugier wirklich haltbar ist, wenn wir meine Fantasie abziehen. In welchem Umfang es mein Kopf und mein Herz sind, die sich ein Bildnis gestalten von dir.

Eines, das Sehnsucht weckt und Glück verspricht.

Versteh‘ mich nicht falsch. Daran, dass du ein toller, außergewöhnlicher Mensch bist, daran zweifele ich keine Sekunde.

Die Gefühle, die du in mir weckst… sie sind nur so intensiv und divers und überwältigend, dass ich fast nicht glauben kann, dass sie sich nicht schlicht an ein überirdisches Ideal richten.

 

Du weckst so viel meiner unberührten Sehnsuchtgeheimnisse. Machst mich mit unbekannten Wünschen vertraut und führst mich in Gegenden, in denen mein Herz bisher nicht gewesen ist.

Das macht mir Angst.

Es macht mich nervös, verwirrt mich. Es füllt mich mit Vorfreude und es füllt mich mit Zweifel. Es setzt mich ungestüm in Bewegung und es lähmt mich.

Es zieht mich so sehr an und es hält mich zurück.

 

Bevor du überhaupt nur mit der Wimper zuckst.

 

Stell‘ dir vor, nun steigst du auch noch mit ein in die Gleichung. Zeigst dich mal, verbirgst dich dann. Lädst mich ein und wieder aus. Bittest mich zu dir und bleibst allein. Erlebst mich mal zugänglich, mal verschlossen. Manchmal vergnügt und dann geknickt.

Ich kann dir verraten: nichts davon lässt mich schlauer aus mir werden. Oder souveräner.

 

Du bist ein Kopf-, ein Herz-, ein Bauchgespinst.

Übervoll und überladen mit meinen Wünschen und Erwartungen. Mit meinen Sehnsüchten und Bedenken.

 

Du bist mein Kopf- und Herz- und Bauchgespinst. Seit der ersten Minute hast du einen Platz in mir. Oder vielmehr: hat Die-Fantasie-von-dir einen Platz in mir.

Und solange es nur die Fantasie von einem „Du“ war, kam ich gut damit zurecht.

Nein, ehrlich.

 

Ich hätte nichts dagegen gehabt, aus der Fantasie mehr Realität zu machen. Dich öfter zu sehen. Aber es war in Ordnung so. Sortiert. Hatte seinen Platz. Nur jetzt?

Jetzt spielen zwei Filme parallel, wann immer wir uns sehen.

„Das, was ist“    vs.    „Das, was sein könnte, wenn ich nur die richtigen Worte sage“

 

Was auch immer es ist- es fängt mich so sehr. Lähmt mich, wühlt mich auf, erregt mich.

Weil es ein Schritt hin sein könnte auf dem Weg zu einem wunderbaren, spannenden und großartigen Menschen. Und weil ich es verbocken könnte.

Weil ich nicht halte, was du dir von mir versprichst. (Versprichst du dir etwas von mir, Liebe?)
Weil du nicht hältst, was du zu versprechen scheinst. Oder schlicht, weil ich verloren gehe und gefangen bin in meinem persönlichen feuchten Traum einer Teenie-Fantasie. Whatsoever.

 

Und jetzt, mein Herz, und jetzt?

Ich schreibe dir diese Zeilen, weil ich mich mit dir teilen möchte. Bevor ich eine Entscheidung treffe.  Weil wir vielleicht in Kooperation eine Entscheidung treffen wollen.

Wollen wir der Realität die Chance geben, unsere Vorstellungen voneinander zu ersetzen?

Gehen wir das Risiko ein, dass wir uns ent-täuschen? Können und wollen wir aushalten, wenn wir uns vor unseren Augen selbst demontieren, zerlegen, entzaubern? Sind wir bereit, die Faszination zu opfern, um uns wirklich zu begegnen?

 

Liebe, du faszinierst mich. Immer schon und immer noch. Und ich wüsste gerne mehr darüber, was zwischen uns lebendig werden will. Wüsste gerne mehr über dich.

 

Das setzt einen Prozess voraus. Einen gemeinsamen.

Es braucht ein Aufeinanderzugehen. Ein Sicheinanderzeigen. Ein Miteinanderwachsenwollen.

Wir werden uns Zeit kosten. Und Bereitschaft und Mut.

 

Ich bin bereit, das zu investieren. Wenn es eine gemeinsame Entscheidung ist, dass wir investieren wollen.

Aber vielleicht, vielleicht….

 

Vielleicht sind wir auch gerade einfach nicht dran. Ist Zeit eine Ressource, die uns beiden kostbar ist. Liegen deine Prioritäten woanders.

Das alles wäre in Ordnung für mich. Ich würde es betrauern und dann würde ich es verwinden und die Stimme meines optimistischen Gemüts würde mir ein „Wer weiß, was noch geschieht?“ einflüstern. Und ich würde ihr lauschen und ihr Recht geben. Wer weiß schon, was noch geschehen wird?

 

Ich wüsste dann nur, dass ich mich jetzt ein Stück zurückziehen würde. Dich aus der Ferne bewunderte.

Und hin und wieder meine Gedanken zu dir aussandte, die mich daran erinnern, wie verdammt schön du bist.